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F  l  u  r  b  ä  u  m  e 

a l l e i n s t e h e n d   u n d   h e r v o r r a g e n d

Kanadische Pappeln

Die Kanadische Pappel

»Eine Borke mit ner Furche,
worin sammeln sich die Lurche,
denn die Furche ist ‘ne tiefe,
in der Lurchi gerne schliefe.
Plasmadrüsen sind vorhanden,
wobei sie den Stiel umranden.
Dazu kurze Wimpernhaare,
keine Mistel, Gott bewahre.
Blattstielgallen eher selten.
Wird man sie deswegen schelten?
Samenkapsel mit vier Klappen,
Stammreiser nur als Attrappen.
Stamm meist grade und allein,
selten düften’s zweie sein.«

»Sag, was laberst Du dahin?
Ich erkenne keinen Sinn.«

»Himmelgranat! Ich babbel
von der Kanadisch Pappel.«


Flaggschiff: Kanadische Pappel bei Schwaig (1)

Flurbaum-Steckbrief

Bezeichnung

Kanadische Pappel - Populus × canadiensis

Beschreibung

  • einstämmig
  • Stammumfang: 624 cm in 130 cm Höhe (BHU)
  • Baumhöhe: ca. 32 m
  • Kronenbreite: ca. 20 m
  • lichte Höhe: ca. 2 m
  • Alter: ca. 110 Jahre, Keimung um 1910 
  • arttypische Merkmale (s. u.): untere Blattnerven nicht dicht an der Basis, gerader Stammwuchs, Borke sehr tief längs gefurcht

Lebensraum

  • Grünland
  • ebenes Gelände
  • Höhenlage: 442 m
  • Begleitvegetation: Hollunder, Grasflur
  • Naturraum: Erdinger Moos
  • Vogelschutzgebiet (Flughafen)

Standort

  • bei Schwaig, östlich des Flughafens zwischen den beiden Startbahnen 
  • Gde. Oberding, Lkr. Erding, Bayern
  • Koordinaten: 48.35928, 11.81918

Besonderheit

  • alter Baum
  • besonders landschaftsprägender Baum
  • Wiesenbaum

Stand: Juli 2023


Die Kanadische Pappel ist eine Kreuzung aus der heimischen und der Kanadischen Schwarzpappel. Die daraus seit etwa 1800 in Europa entstandenen "Hybriden" (oder "Bastarde") sind untereinander und mit den Eltern-Arten unbeschränkt fruchtbar. So konnte sich in den letzten gut 200 Jahren die Kanadische Pappel bei uns ausbreiten: Bäume mit allen möglichen Genvermischungen und -anteilen der Ausgangsarten. 

Die Kanadische Pappel wird bei uns gelegentlich auch Kanada-Pappel genannt. Beide Namen führen zusammen mit der Kanadischen Schwarzpappel gelegentlich zu Verwirrung. 

Kleine Pappel-Genetik

In der Botanik werden Individuen, die durch Kreuzung zweier Arten entstanden sind, Hybriden oder Bastarde genannt. Sie werden mit einem "×" zwischen Gattungs- und Artbezeichnung gekennzeichnet. Die hybride Art Populus × canadensis beschreibt eine Fülle verschiedenster Genkombinationen beider Ursprungsarten. Dementsprechend variieren die Merkmale dieser Baum-Individuen fließend zwischen den Merkmalen der europäischen Schwarzpappel (Populus nigra) und denen der Kanadischen Schwarzpappel (Populus deltoides). 

Eine eindeutige Zuordnung eines Baum-Individuums zur europäischen Schwarzpappel ist nur über eine genetische Untersuchung möglich.

Die Kreuzung beider Ursprungsarten erfolgt nur, wenn die Kanada-Schwarzpappel als Mutter auftritt. Die Erbsubstanz ("Gene") befindet sich bei Pflanzen in verschiedenen Teilen der Zelle: im Zellkern und in den Chloroplasten. Die Erbsubstanz in den Chloroplasten bleibt oft über viele Generationen unverändert und wird nur über einen Elternteil vererbt, bei der Pappel über die Mutter. 

Durch Untersuchung dieser Chloroplasten-DNS kann festgestellt werden, ob der von der Mutter, der Kanadischen Schwarzpappel, beigetragene DNS-Anteil vorhanden ist oder nicht. Nur das gilt als eindeutiger Nachweis, ob es sich um eine Pappel mit der mütterlichen Erbsubstanz einerseits (Populus deltoides und Populus × canadensis) oder um Populus nigra andererseits handelt.


Manche Wissenschaftler halten es für fraglich, ob in Europa überhaupt noch reinerbige Populus nigra ohne genetische Beimengung der kanadischen Art existieren. (108)

Dem widerspricht eine Untersuchung der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, in der nur 14 % von 2.281 untersuchten Pappeln in Bayern Populus × canadensis waren, der Rest (86 %) Populus nigra. (109)

In dieser Untersuchung wurde auch festgestellt, dass die Artbestimmung anhand von Struktur und Form der Baum-Individuen ("morphologische Kennzeichen") für ein geübtes Auge mit hoher Sicherheit erfolgen kann.

Merkmale zur Unterscheidung der europäischen Schwarzpappel von der Kanadischen Pappel
Die Zuverlässigkeit des Merkmals nimmt von oben nach unten ab (eigene Einschätzung).

Merkmal Schwarzpappel Kanadische Pappel = Bastardpappel
Fruchtkapsel zweiklappig öffnend zwei, drei oder vier Klappen
weibliche Blüten zwei sitzende Narben zwei, drei oder vier sitzende oder kurz gestielte Narben
Befall mit Misteln selten häufig
Blattstielgallen häufig (auch an Berliner Pappeln) selten
Habitus deutlich einzelne stark aufstrebende Äste Krone runder und geschlossener
junge Sprosse rund oder nur an der Spitze etwas kantig ± kantig, besonders an Langtrieben
Borke oft diagonal laufende Wülste meist längs laufende, sehr tieffurchige Wülste
Stammreiser bei älteren Bäumen fast immer selten
Maserknollen bei älteren Bäumen fast immer (auch an Berliner Pappeln) selten; wenn, dann meist klein
Blatt-Hauptseitennerv unteres Paar dicht an der Spreitenbasis unteres Paar von der Spreitenbasis entfernt
Blattstieldrüsen ohne; wenn, dann etwas weiter vom Blattstielansatz entfernt direkt am Blattstielansatz, meist an Blättern von Langtrieben
Rostpilzbefall im Herbst ** häufig (auch an Berliner Pappeln) kaum Befall
Blattaustrieb hellgrün rötlich
Blattrand kahl, nur jung etwas behaart bleibend bewimpert
Stamm oft mehrstämmig oder tief verzweigt, oft krum gerade, weniger verzweigt oder mehrstämmig
Blattform im allgemeinen kleiner, weniger langgezogene Spitze im allgemeinen größer, deutlicher langgezogene Spitze

Quellen: nach LWF 2006 (26), LWF 2010 (109), Achim Förster, 2010 (110)

Diese Merkmale sind nur Indizien. Die auf dieser Website vorgestellten Bäume aus dem genetischen Schwarm Populus nigra und Populus × canadiensis sind nach subjektiver Einschätzung der bei der Erfassung vorliegenden Merkmale benannt. In aller Regel liegen keine objektiven genetischen Befunde vor.


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