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Der Schlangenbaum am Schlangenweg - eine Süntelbuche

Auf dem steil abfallenden Südhang des Weihenstephaner Bergs in Freising steht ein alter naturnaher Laubwald. An seinem Fuß endet die Münchner Schotterebene mit dem Lauf der Moosach, oben stand bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts ein Kloster. Heute sind dort schöne Gärten, eine weltberühmte Brauerei - angeblich die älteste der Welt - sowie Einrichtungen zweier Hochschulen zu finden. Der Hang wird von mehreren Fußwegen durchzogen, die das Stadtzentrum, den westlichen Stadtteil Vötting und den Weihenstephaner Berg miteinander verbinden. Sie werden gerne als Spazierwege genutzt. In der Bevölkerung heißt dieses Wegenetz "Schlangenweg". 

Woher kommt dieser Name? Hat der Namensgeber hier einmal Schlangen angetroffen? Kommt die Bezeichnung von den sich in Serpentinen dahinschlängelnden Wegen? Oder von den langen, wie Riesenschlangen von den Bäumen herabhängenden Lianen der Waldreben? Oder etwa von den in Schlangenlinien heimwärts schwankenden Besuchern des Weihenstephaner Bräustüberls?



Nein - das Rätsel ist gelöst. Der Weg heißt Schlangenweg, weil hier Schlangenbäume leben!

Bei dem Schlangenbaum handelt es sich um eine Süntelbuche (Fagus sylvatica var. tortuosa). Süntelbuchen sind eine besondere und seltene Form der Rotbuche und nach dem Ort eines Hauptvorkommens im Süntel benannt, einem Mittelgebirgsstock im Weserbergland. 

Der schlangenähnliche Wuchs kann vererbt werden. Es bleibt aber immer noch ein Rätsel, was die Rotbuche zur Süntelbuche macht (111). Früher hat man gedacht, es seien verhexte Buchen und hat mancherorts versucht, sie auszurotten. Heute könnte man eher vermuten, dass eine genetische Veränderung oder ein Mikroorganismus (z. B. Virus) dahintersteckt, der sich mit dem Samen ausbreitet.

Der Stamm dieser Süntelbuche hat einen Umfang von 130 cm, der Baum ist rund 7 m hoch und hat eine 12 m breite Krone.

Mehr über Süntelbuchen sind auf der Seite von Ralf Schröder Die Süntelbuchen zu finden.

Süntelbuche am Schlangenweg nach der Freistellung im Winter 2023/24 - von einer Waldrebe überwachsen

Nicht weit davon entfernt steht ein möglicher Elternbaum mit 319 cm Stammumfang. Er ist so gewachsen, wie es sich der Forstmann vermutlich eher wünscht. Nach diesem Baum ist der Schlangenweg nicht benannt.

von Rudolf Rippel