Schwarzerle bei Harheim

Hier im Main-Taunus-Vorland, nahe der früheren Grenze zwischen dem Königreich Preußen (Bonames) und dem Großherzogtum Hessen (Harheim) liegt fruchtbares Land. Bereits am Ende des 19. Jahrhunderts fand hier die erste "Konsolidation" (Flurbereinigung) statt. In der feuchten Nidda-Aue könnte die Erle damals gerade gekeimt haben. Vielleicht konnte sie weitere Zusammenlegungen (die letzte in den 1960er-Jahren) bisher überstehen, weil sie lange am Schnittpunkt eines Feldwegs mit einem Graben wuchs. Heute ist von beiden nicht mehr viel zu sehen. 

Die Schwarzerle

Pfeifenraucher Fritz von Stumpen
wollte sich mal Tabak pumpen.
Schon lang hat er nicht mehr geraucht,
da Tabakvorrat aufgebraucht;
was ihm nicht so gut bekam,
Herz und Hirn schon wurden lahm.

„Gebt mir von eurem Quarz, Kerle,
sonst rauch ich ‘s Blatt der Schwarzerle.“
Dieses hörte König Erl,
denn es pfiff ihm Vogel Sperl
ing die Kunde in sein Ohr.
Ist zwar selten, doch ‘s kommt vor.

Erlenkönig sieht die Not
von Stumpenfritz, der schon halbtot,
und er reicht ihm seine Pfeife,
damit Fritz sie rasch ergreife.

Der quarzt den Stoff vom Erlenking,
worauf ‘s ihm wieder besser ging.
Auch die Erle freut sich sehr
und ihr Blattwerk noch viel mehr.

Steckbrief

Bezeichnung

Schwarzerle - Alnus glutinosa

Beschreibung

  • Einzelbaum
  • 1-stämmiger Baum
  • Stammumfang in 130 cm Höhe: 250 cm (das entspricht einem Durchmesser von 80 cm)
  • Baumhöhe: ca. 16 m
  • Kronenbreite: ca. 19 m
  • lichte Höhe: ca. 2,5 m
  • Kronenform: breit ellipsoid
  • Alter (berechnet): rund 120 (100 bis 150) Jahre, demnach steht der Baum seit etwa 1890 an dieser Stelle

Lebensraum

  • Restfläche
  • ebenes Gelände
  • an einem kaum genutzten Feldweg

Standort

  • bei Harheim (südwestlich des Orts)
  • Stadt Frankfurt am Main
  • Hessen
  • Koordinaten: 50.1786, 8.6743

Risiken:

  • keine (teil)versiegelten Flächen im Kronentrauf
  • eine regelmäßig bearbeitete Fläche ist etwa 2 m entfernt
  • erkannte Schäden: einige Äste wurden abgesägt

erhoben am 31. Mai 2021


Die Harheimer Flur war bis zur "Konsolidation" entsprechend der damaligen Dreifelderwirtschaft in drei große Felder gegliedert: das Feld gegen Bonames, das gegen Nieder-Erlenbach (auch Straßenfeld) und das gegen Massenheim (auch Oberfeld genannt).

In der Dreifelderwirtschaft waren die wenigsten Feldstücke direkt an einen Weg angeschlossen. Da die Bewirtschaftung einschließlich der Ernte immer gemeinsam zu bestimmten Terminen durchgeführt wurde, musste und durfte in der Zwischenzeit niemand das Feld betreten. Deshalb war es erst nach Aufhebung der Dreifelderwirtschaft ein Problem, dass nicht jedes Flurstück einen ungehinderten Zugang hatte. Die Konsolidierung bestand im wesentlichen im Ausbau eines Wegenetzes zur Erschließung der Gemarkung. Dabei wurde ein Teil der Flurnamen übernommen, ein anderer Teil verschwand.

Das Bonameser Feld - es erstreckte sich zwischen dem Weg nach Nieder-Eschbach und dem Urnbergsweg - wurde bereits 1893 konsolidiert an die Eigentümer übergeben. Die Schwarzerle steht am Schnittpunkt eines Weges mit einem Graben, beides wahrscheinlich Ergebnisse dieser ersten Flurbereinigung. Sie trennen die Gewanne mit den alten Flurnamen "Feldgewann", "Mittelstgewann" und "In der Eck" (Abb. 1).

Abb. 1: die Flurnamen der Gemarkung Harheim nach der Konsolidierung, unten links die Schwarzerle als roter Punkt (von mir ergänzt). Die Abbildung entnehme ich der Veröffentlichung von Dagmar Wendler (53). Die Zeichnung wurde von Heinrich Müller nach dem Flurplan 1892-99 gezeichnet, als Quelle wird "Katasteramt" angegeben

Zu den Flurnamen um die Erle schreibt Dagmar Wendler in Ihrer Veröffentlichung "Die alten Flurnamen der Gemarkung Frankfurt-Harheim und Harheims Denkmäler" (53) unter Verweis auf die genannten Quellen:

Die Feldgewann: Die Flur zählt zu den Wiesen in der Au.

  • Quelle: Parzellen-Brouillons der Gemarkung Harheim (1822-1899), Katasteramt Frankfurt am Main, Staatsarchiv Frankfurt am Main, Harheim Nr. 4634 (Erläuterungsbericht Dr. Kemmer 1892), Nr. 4635 (Besitzstandsverzeichnis 1892)

Die Mittelstgewann: "Ein Stück Wiese zeugt undig der Aue, obern mittelsten Graben, stößet gegen dem Hellerrainberg uff Frankfurter Hospital Gut."

  • Quellen: Pfarrarchiv St. Jakobus, II, 33 (Steinbuch über Harheimer Pfarrgelände), 1707. Parzellen-Brouillons der Gemarkung Harheim (1822-1899), Katasteramt Frankfurt am Main, Staatsarchiv Frankfurt am Main, Harheim Nr. 4634 (Erläuterungsbericht Dr. Kemmer [Bezirksgeometer I.Klasse], 1892), Nr. 4635 (Besitzstandsverzeichnis 1892).
  • Wahrscheinlich leitet sich der Name Mittelstgewann von der Lage des 'Mittelsten Grabens' ab.

In der Eck: "Wiese stößt gegen der Ecken", um 1840 "in der Eck".

  • Quellen: Staatsarchiv Frankfurt am Main, Harheim, Beschreibung des Dorfes Harheim, 1654. Staatsarchiv Darmstadt, Abt. C 2, Saalbücher Oberhessen 58 a. Pfarrarchiv St. Jakobus, II, 33 (Steinbuch über Harheimer Pfarrgelände), 1707
  • Rechtwinkliges Flurstück 'in der Ecke', deren einer, fast rechter Winkel von der Nidda gebildet wird.

Entlang der Schenkel dieses Winkels, den heute die Nidda und einer ihrer Altarme bilden, verlief auch die oben erwähnte historische Grenze zwischen dem Königreich Preußen und dem Großherzogtum Hessen. Der bis 2009 von der Nidda abgetrennte und teilweise mit Bauschutt und Erde verfüllte Bonameser Altarm ist heute wieder mit dem Fluss verbunden (54)